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2017.03.22. – Lesetagebuch #4 – „Das Schiff“ von Andreas Brandhorst

April 8, 2017

Der Roman Das Schiff‘, von Andreas Brandhorst, ist in dem Verlag Piper erschienen und spielt mit dem Gedanken, was technisch mit dem Bewusstsein alles so möglich ist, – unabhängig vom Körper. Gleichzeitig wird von Brandhorst ein Spannungsfeld konstruiert, welches im Gegensatz von Sterblichkeit und Unsterblichkeit schwingt.

Sprachlich begeistern mich anfangs solche Begriffe, wie Ratio-Kondensat für die Denkleistung eines MFVs, eine MultiFunktionsVehikels. Das sind Konstrukte, bei denen ich mitkomme und zudem schmunzele, obwohl ich kein Sciencefiction-Fan bin. Bei diesem Buch aber werde ich abgeholt, komme ich mit.

Amüsant auch die Relativität von Zeit, die entsteht, wenn es in einer Welt, auf Grund zufälliger Unterschiede, sterbliche und unsterbliche Menschen gibt. Es entstehen verschiedene Dimensionen von Lebenszeit.

Schön auch die Idee, das einige KI-Maschinen sich so programmieren können, das sie empathisch fasziniert davon sind, dass wir nicht nur die Summe unserer Einzelteile sind. Ein gravierender Unterschied.

Es tauchen plötzlich Fragen auf, wie es wäre, wenn die Maschine die Krönung der Evolution wäre. Ist sie womöglich lernfähig genug zu erkennen, dass wir nur gemeinsam stark sein können, Mensch und Maschine. Ein spannendes Thema und ich verklebe mir mal den Mund/die Tastatur, damit ich am Ende nicht noch spoile…

Letztlich ist es die Liebe, als menschliche Qualität die zum Finale führt.

02.04. Sonntag 

Ich habe endlich mal wieder viel Zeit und mein Plan ist es, dieses tolle Buch zu Ende zu lesen.

Wie schon gesagt, ich bin kein Science Fiction Fan und ich habe meine Schwierigkeiten mit den Bildern aus der Zukunft, aber die Haupt-Ideen des Buches, das Bewusstsein vom Körper trennen zu können und die Auseinandersetzung mit Streblichkeit/ Unsterblichkeit halten mich begeistert bei der Stange.

Die futuristischen Bilder sind so frei wie möglich gehalten, ich kann sie beim Lesen so erdnah wie möglich malen und werde nicht gezwungen, mich in Details zu verlieren.

Schön auch das Thema Sterblichkeit mit dem Ende der Geschichte zu verknüpfen. Das Lesen macht nicht unbedingt fröhlich, aber es fesselt.

Trotzdem lese ich zur Zeir lieber wieder die Zeitung zum Frühstück und nicht ‚mein‘ Buch.

Brandhorst funktioniert für mich tatsächlich eher zum Abend hin. Weiß nicht, warum ich das so schreibe.

Klug gewählt die Figur des Protagonisten Adam und seine Entwicklung. Vielleicht ist dies das fesselnde des Buches für mich. Ich kann mich sehr gut in Adam einfühlen, obwohl ich aus einer fernen Vergangenheit komme.

Ebenso gefällt mir die Feinsinnigkeit, mit der die Überlegenheit der menschlichen Intuition gegenüber aller denkbaren KI gezeichnet wird. Die Geschichte ist spannend konstruiert, trotzdem muss man sich zu keinem Zeitpunkt mit überflüssigen Horrorbilderb kasteien.

Bemerkenswert finde ich, dass sich ab und an das Lesegefühl und die Bilder vermischen mit den 13 1/2 Leben des Kapitän Blaubär, welches ich zur Zeit meinem 8 jährigem Sohn vorlese. Das ist ein Kompliment! Es bedeute, dass ich die Phantasie und Kreativität hinter dem düsteren Schleier der Vision entdecke.

Und dann endet die Geschichte ganz plötzlich mit einer Friedensbotschaft, weit hinausreichend von der Vergangenheit bis hinaus in eine denkbare Zukunft. Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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From → Lesetagebuch

5 Kommentare
  1. Klingt sehr spannend! Ich bin bei Sci-Fi ja auch immer zwiegespalten – vieles ist abgedroschen oder nicht tiefgründig genug hinterdacht und deshalb für mich nicht lesenswert. Aber das Buch klingt ja wirklich nach einer Perle! Ist die Geschichte in einem Band abgeschlossen?

    • Danke für deinen Kommentar. … Ja die Story ist in einem Band abgeschlossen. … Stimmt, das ist ja für das Genre auch keine unnötige Information 😉 … Darf ich fragen, was du gerade so liest? …

      • Neben einer Reihe didaktischer Bücher für meine Prüfungen sowie Schreibratgebern: Wallenstein von Schiller^^ Das klingt alles nicht sehr spannend, ich weiß, aber ich bin mitunter sehr mäkelig, was Fantasyliteratur bzw, Sci-Fi betrifft. Ich lese grundsätzlich nur auf Empfehlung, einfach in die Buchhandlung gehen und ein paar Bücher mitnehmen gibt es bei mir nicht. Und dann muss ich immer ein bisschen vorsichtig sein: Wenn ich dann doch mal ein Buch aus diesen Genres lese, bin ich meist so gefesselt, dass ich nichts anderes mehr mache. Dann fällt die Prüfungsvorbereitung völlig hinten runter. Aber ein einzelnes Buch (da würde ich ja nur einen einzelnen Tag „opfern“), das ließe sich unterbringen. 😉

      • Hmmm … Wallenstein … es gibt keine Zufälle, … habe mir erst kürzlich „das Lager“ auf einem Podcast angehört … 🤔 … https://itunes.apple.com/de/podcast/wallenstein-ein-dramatisches-gedicht-by-schiller-friedrich/id417856173?mt=2

      • Ich habe leider kein iTunes. Aber „Das Lager“ fand ich auch sehr gut, komplett in Reimen geschrieben – so etwas finde ich immer sehr beeindruckend. 🙂

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