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2017.05.07. – Lesetagebuch #7 – ‚Das blaue Buch‘ von A.L. Kennedy

Mai 7, 2017

Das blaue Buch: 
Von A.L. Kennedy, übersetzt von Ingo Herzke, 2012 im Carl Hanser Verlag erschienen.

31.04. … 22:16 …

Ich war eigentlich nur ein wenig neugierig darauf, wie Frau Kennedy, nachdem ich ihr Buch ‚Schreiben‘ gelesen habe, das mit den Lebenszeichen und den Charakteren macht. 
vergl. : 

https://geistzeitraum.wordpress.com/2017/04/22/2017-04-15-lesetagebuch-7-a-l-kennedy-schreiben-uebersetzt-von-ingo-herzke/    

Und dann eröffnet sie so grandios, dass ich einfach nur Lust auf’s Lesen spüre.

Was für ein Intro !!!!

Es hat fast was mit Musik zu tun, eher mit einem 80’er Jahre Punksong, als mit einer Symphonie von Mahler. Obwohl?!

Das Intro wirkt fast wie ein Kontrakt, den A.L. Kennedy mit dem Leser schließen will. Ja. Bitte. Liebe Autorin! Halte nur annähernd deine Seite des Kontraktes ein, Baby, und ich werde dich lesen, werde vielleicht eine neue Lieblingsautorin haben.

28.04. …. 18:56

Ich habe diese Woche viel gearbeitet und tatsächlich eher die Zerstreuung, nach 11 Stundentagen, in einem Türkisch-Kurs via „babbel“ (*1) gefunden, als im Lesen ‚meines‘ Buches, als im blauen Buch.

Trotzdem steht die Beziehung zur Geschichte (*2) und ich freue mich und bin total neugierig auf das „blaue Buch“ im „blauen Buch“, welches irgendwann auftauchen soll. Ich merke allerdings auch, dass ich frisch im Kopf sein sollte, wenn wir aufeinander treffen, das Buch und ich.

Ich stelle fest: Da gibt es bei mir im Moment leider ein paar Tage, an denen ich in müßiger Zeit nicht frisch genug bin.

(*1) ‚Babbel‘ ist eine spielerische Sprachlernapp, die wirklich Spaß macht. Man „zockt“ sich durch den Kurs und lerntheoretisch scheint es bei mir voll hinzuhauen. 

(2*) Die Geschichte spielt sich im Wesentlichen in einer Dreiecksbeziehung auf einem Kreuzfahrtschiff ab, wobei einer der Protagonisten eher ausser Gefecht gesetzt ist. Das Wetter ist schlecht. 

01.05. … 20:51

Schrieb ich vor ein paar Tagen, das Buch wäre so etwas wie eine neue Freundin, Bekanntschaft?

Dann schreibe ich heute, dass das immer noch so ist und schlimmer wird. Aber, wie das manchmal mit Freundinnen so ist, finde ich es auch hier auf Dauer doch eher kompliziert. 

Warum müssen heute so viele Autoren sich an der Grenze ausprobieren, wo es zuuu abgefahren, oder zu persönlich wird. Habe Angst, dass es mir auch mit Frau Kennedy so geht, dass die Figuren vielleicht zu wenig fiktiv sind und damit zu dicht am Gefühlsleben der Autorin.

Auf dem Schiff, wird die Tiefe und Geschichte einer Beziehung ausgelotet und es geht mir ein wenig zu sehr um Sex, besser um die Sehnsucht nach einem Gefühl, dass man mit Sex verbinden kann.

Habe so ein Gefühl, zuviel emotionalen Müll abzubekommen.
 

02.05. … 20:50

Ich bin beim Lesen immer wieder überrascht, wo mich die gedankliche Reise beim Lesen hinführt und wie oft ich, weit zurückblättern muss, weil ich mich in Gedanken über meine Beziehungen und deren Enden verlier. „Ah, hier kann ich wieder einsteigen. Was bin ich weit abgedriftet.“

Der Plot rückt immer weiter in den Hintergrund. Das ist ein Kompliment. Die Gefühle, die bleiben, ähnlich, wie in einem Traum, sind das Wesentliche, sind dass was hängen bleibt.

21:30

Zitat: „Und sie spürt, wie unruhig sein Körper ist, weil er so unbedingt präzise sein und seine Gefühle von ihren trennen, sie frei und ungezwungen halten will. Diese Zärtlichkeit leuchtet sie hell an.“

Die Reise ist weit über die Hälfte hinter sich gebracht und die Hälfte der Reisenden ist seekrank. Die Geschichte fokussiert sich auf zwei der Eingangs erwähnten Protagonisten.

04..05.2017 … 21:30

Ich weiß, ich bin ein alter ‚Nörgelkopp‘ und ich hasse mich manchmal dafür. Es ist vielleicht nicht gut gewesen vorher „Schrelben“ von A.F.K. gelesen zu haben. Nach ‚Schreiben‘ war ich einfach nur neugierig wie die Personen entwickelt werden und wieviel Kreativität in diesen Figuren wohl stecken mag. 

Beim Lesen von „Das blaue Buch“ werde ich das Gefühl nicht los beide, Pro- und Antagonist sind zu, …. zu, …. zu wenig fiktiv und damit im Zusammenhang der Geschichte doch zu persönlich. Das macht das Buch für mich ab einem gewissen Punkt zu psychologisch. Aber ich nerve auch mit solchen Sachen. Am meisten mich selbst. Deshalb lese ich jetzt mal vorbehaltlos das letzte Zehntel.

( P.S.: Was mir auch auffällt, ist das mich die kleinen Anekdoten in dem großen Ganzen immer wieder fesseln und ich mehrere Seiten so weglese, ohne es zu merken. (Erzählerische Qualität!!!)) … aber der Gesamtzusammenhang einer sehr persönlichen Beziehung hält mich als Leser irgendwie aussen vor, bzw. bleibe ich freiwillig auf Distanz zu diesem schrägen Pärchen. Ich würde sie nicht zu mir nach Hause einladen wollen.

(Ich lese trotzdem begeistert weiter, wegen der vielen, sehr poetische Stellen. Ich merke, ich liebe diese Elemente, diese Fragmente, aber ich spüre die Kreativität nicht in den tragenden Figuren. Sie sind mir zu traurig. (Booaa! Ich bin so überheblich. Wer bin ich ?) …. „das blaue Buch“ bleibt ein polarisierendes und damit tolles Buch !!!)

06.05.2017 … 19:26

Heute ist Samstag und ich habe mich, schon heute morgen, noch einmal, mit Kaffee im Bett regelrecht eingelesen. Über Tag, bin ich immer wieder kurz in die Geschichte eingetaucht.

Umso mehr erschrecke ich mich jetzt gerade, bei der Entdeckung, jetzt gerade auf den letzten Seiten gelandet zu sein. 

Obwohl ich die Beziehung zum Buch mittlerweile hölle-anstrengend, ausweichend und unklar finde, A.L. Kennedy zu meinen anstrengendsten Freundinnen zähle, erschrecke ich, weil ich nicht möchte, dass eine wirklich persönliche Beziehung, sei sie auch noch so anstrengend, so plötzlich endet.

Und dann passiert genau das: Eine Geschichte endet und ich stehe ganz allein damit da.

Eine Geschichte, mit der bestimmt fast jeder, etwas gereifte Mensch eine Erinnerung, eine Assoziation verbindet.

Aber es lässt sich nicht ändern. Die Geschichte ist aus und ich bleibe ein wenig zu traurig zurück. 

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From → Lesetagebuch

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