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2017-05-22 – LeseTB #8 : ‚Leben‘ von Karl Ove Knausgård

Mai 22, 2017

( Erstes Drittel )
14.05. … 16:40 … Terrasse 

Man höre und staune: Ich sitze zum Schreiben auf der Terrasse. Drinnen spielt der Jüngste lautstark mit einem Freund irgendwelche Drachenspiele. Der 18jährige baut probeweise ein Zelt auf, weil er sein Abi durch hat. Am Dienstag wird er mit ein paar Kumpels nach Südfrankreich aufbrechen. Der Älteste ist über das Wochenende zu Besuch und sortiert Antworten auf eine Annonce, weil er einen neuen Mitwohni sucht. Die Liebste ist gerade losgefahren und holt Herrn Zwackelmann in unser Haus. Herr Zwackelmann ist ein kleiner Hund, der uns als Baby vor ein paar Wochen zugelaufen ist und sehr gut zu uns und dem Hund Räuber, sowie den Katzen ‚Hotzi’&’Plotzi‘ passte. Es dauerte keine drei Minuten und Herr Zwackelmann hatte einen Namen. … Und! … Er sollte bleiben. Leider war er noch ein wenig zu jung, aber auch die Züchterin fand uns und die Tiere passend, so dass heute der große Tag ist. Herr Zwackelmann wird in ca. einer Stunde einziehen.

Ansonsten plätschern die Tage so dahin und werden begleitet von Karl Ove Knausgård und den Geschichten, die uns an seinem ‚Leben‘, erschienen bei Luchterhand, übersetzt von Paul Berf teilhaben lassen.

Es ist der vierte Band des 6 Bände umfasssenden autobiografischen Projektes, welches Herr Knausgård abarbeitet und ich bin wieder mal begeistert am Lesen. ( 5 der 6 Bände habe ich bereits gelesen.) 

Warum ist dieser Stiel so einnehmend. Es sind zumeist banale, kleine Episoden aus einem normalen Leben. Erlebnisse, die eigentlich jeder mehr oder weniger ähnlich kennen müsste.

Ein junger Mann macht Abitur, hat Vorstellungen und Ideale jenseits einer geregelten Bürgerlichkeit und wird erstmal Hilfslehrer in Nord-Norwegen. Eigentlich interessieren Ihn nur sein Wunsch nach Sex, nach Alkohol und seine Leidenschaft für Musik. Aber alles bleibt schön schüchtern erfolglos und ganz normal.

Kurze, unkomplizierte Sätze in der Ich-Form verstärken das Erzählende der Geschichte. Und … Kanusgård hat Zeit. … Lässt sich unendlich Zeit beim Erzählen und trotzdem scheint nichts überflüssig, wenn man bereit ist sich einzudenken.

Ich zumindest tauche jederzeit wieder gerne ein in die Welt dieses anderen und kann oft genau nachfühlen, was da in den Episoden eines Kindes der 80’er Jahre passiert. Den angeblich langweiligen 80’er Jahren. Aber vllt verschiebt sich nur der Fokus, hin zu etwas eher privaten. Deshalb hat dieses autobiografische Experiment für mich schon mal einen Wert, weil es aus einer Jugend in den 80’ern erwächst und die Ereignislosigkeit der Zeit mit einem Gefühl anfüllt, die das besondere eben dieser Zeit beschreibt. 

22.05. … 20:16

Ich sitze wieder auf der Terrasse und lese Knausgård, leider viel zu selten, wegen der Arbeit. Ich habe fast nur noch die Energie für Podcasts und Radiofeatures.

Wenn ich dann in meinem Buch lese, bin ich begeistert von dem erzählerischen Können und den Wechselspiel in den Episoden. Knausgård ist fast 50. Ich bin 50.

Wenn Knausgård z.B. Episoden aus seinem jungen Erwachsenenleben erzählt, die mit seinem Vater zu tub haben, weiß ich am Ende nicht mehr mit wem ich mich identifiziere. Das ist wirklich Kunst. Ich lege das Buch zur Seite und denke nach.

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From → Lesetagebuch

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