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2017.04.11 – Lesetagebuch #6- ‚Open City‘ von Teju Cole

Jaaaa!! … Endlich mal wieder ein Buch, das man als anregend und ‚erbaulich‘ bezeichnen könnte. Ein Buch, wie ich es mag. Ein Buch wie eine Unterhaltung. Teju Cole liebt Menschen und das spürt und liest man vom ersten Augenblick an.
„Open City“ von Teju Cole, 2011 bei Suhrkamp Insel Bücher erschienen. Übersetzt von Christine Richter-Nilsson.

Ich freue mich abends auf das Lesen und lasse morgens die Zeitung links liegen, weil ich lieber ‚mein‘ Buch zum Kaffee will. ‚Das Schiff‘ von Andreas Brandhorst war klasse, aber funktionierte eben morgens für mich nicht so gut.

Man folgt den Gedanken und Begegnungen des Ich-Erzählers Julius gerne, weil die Attitüde des Erzählens einen ruhig und unaufgeregt mitnimmt. Es ist ein bisschen wie zu zweit spazieren gehen, was der Ich-Erzähler auch im Buch tut, allerdings allein. Auf seinen zielgerichteten Spaziergängen durch New York begegnet der Erzähler den Menschen, in echt und in Gedanken.

Trotzdem existiert, eben wie bei einem Spaziergang die Einladung abzuschweifen, einen Moment inne zu halten. Man merkt beim Lesen, dass man eine eigene Geschichte hat und trotzdem immer wieder in die Geschichte des Anderen reinkommt. Selbst, wenn man ein paar Seiten zurückblättern muss, macht das Spaß, fühlt es sich an, wie eine Einladung zum Denken.

Teju Cole schreibt, irgendwo am Anfang etwas, – ich will nicht spoilen- über die Sprechstimme als Träger von Erzähltem und schlägt vor ab und an den Text mal laut zu lesen. Ich lese das Buch nicht immer laut, bei Weitem nicht. Ich habe es allerdings in ein paar Passagen porbiert. Eine Erfahrung, die ich vom Vorlesen für die Kinder ( zur Zeit z.B. ‚die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär‘) her kenne, aber nochmal wirklich abgefahren finde, wenn man es sich sozusagen selber macht.

12.04. … 10:45
Cole’s Ich-Erzähler bummelt hierhin und dorthin durch die Straßen New Yorks. Er trifft auf Menschen, Individuen, deren Geschichte er in Beziehung zu seiner setzt. So hebt er den Menschen heraus aus der Masse und schreibt ein feines Bild des menschlich Seins über alle Rassen, Staaten, Grenzen und vor Allem über die Geschichte hinweg.

In einem Park voller Menschen erlebt er einen Moment, der zu allen Zeiten so hätte passieren können. Aufgehoben sind Zeit und Ort. Es bleibt der Mensch.

14.04. … 16:58

Trotzdem ist es irgendwie ein junges Buch. Es scheint mir, als sei Cole noch ein Stückchen von der zweiten Pubertät entfernt. Seine Eindrücke, Sätze und Erkenntnisse sind frisch und begeisternd aus sich selbst heraus. Die gewisse Abgeklärtheit und Langeweile eines vierten und fünften Überdenkens fehlt ihnen. Das liegt möglicherweise daran, dass der Ich-Erzähler Julius nur beschreibt. Ich kann mich nicht an großartige Bewertungen oder Analysen im Buch erinnern. 

Der Text fliest dahin und man möchte mit Herrn Cole weitergehen durch den Schmelztigel New York, durch die Geschichte und durch sein persönliches Leben. Das Thema verdichtet sich ganz allmählich und ohne das man es wirklich merkt. Aber irgendwann ist es klar. Es geht um den einzelnen Menschen in seinem gesamten kulturhistorischen Bezug. Das was da bei jedem Einzelnen übrig bleibt, verbindet uns als Gattung.

Die Kontinente auf denen sich die Beziehungen von Coles ‚Menschen‘ verdichten spannen ein Dreieck zwischen den Staaten, Afrika und Europa. 

15.04. … Sonne, Sonntag, 09:45

Ich habe Zeit zu lesen und fühl mich angenehm – sinnvoll – müßig mit ‚Open City‘. Jeder einzelne individueller Charakter ist aktiv und passiv, Opfer, Täter, handelnder und beobachtender zugleich. Die Form des Erzählens, bringt mich trotz der gewissen Nachdenklichkeit einfach gut drauf.

Als anregendes Bonbon empfinde ich die vielen Lese- und Musiktips im fließenden Text. Sie erinnern mich an einen Blogg. Das gefällt mir, dass etwas über das Buch hinaus passiert bzw. bleibt. ( Ich habe mir auf Grund des Tipps von Teju Cole vorgestern das Album ’Somethin’ Else’ von Cannonball Adderley runtergelassen und es läuft seit dem fast ständig. (Mahlers 9te werde ich sicher auch die Tage nochmal hören)) 

Vielleicht idealisiere ich ‚Open City‘ ein wenig, aber ich meine am Ende schaut Cole über den Tellerrand des Menschseins hinaus und relativiert so nochmal ganz schön den Ausschnitt des Seins, der Seienden dieses Buches. Es hat etwas wohltuend Bescheidenes, dass er auch damit, sich, seine Texte, sein Buch relativiert.

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2017.04.10 – Lesetagebuch #5 – Joshua Cohen – Solo für Schneidermann II


Fortsetzung von:
https://geistzeitraum.wordpress.com/2017/03/22/2017-02-28-lesetagebuch-3-joshua-cohen-solo-fuer-schneidermann/     

Oh, was ärgere ich mich über dieses Buch. 

(Was auf alle Fälle auch eine emotionale Reaktion ist. Aber das ist schon lange her, dass das reichte, um als Kunst zu gelten.)

Das Icon oben soll nicht unbedingt ausdrücken, dass ich kotze, sondern vielmehr andeuten, wie anstrengend es ist Joshua Cohens Protagonist Laster beim Abkotzen zuzuhören.

Was soll das sein? Jüdischer Punk im intellektuellen Gewand ? Ne !

Ich habe Joshua Cohens „Roman“ noch einmal hervorgeholt, weil ich eigentlich alle Bücher zu Ende lese, die ich bis zu mehr als einem Drittel gelesen habe, weil ich es überheblich finde, über ein Buch zu schreiben, dass man nicht zu Ende gelesen hat. Aber ich habe nur 20 bis 30 Seiten weiter geschafft.

Nach „Das Schiff“ von Stefan Brandhorst, der seine Leser offensichtlich mag, war „Solo für Schneidermann“ noch einmal mehr ein Schlag ins Gesicht. Mag Joshua Cohen überhaupt seine Leser ? Was ist das für ein Egotrip, der da in Amerika ein Publikum gefunden hat. Ich bin wirklich für alles offen, aber bei solch einem nicht-mehr-konstruktiven Rumgemecker entdecke ich auch keine erzählerische Kunst mehr, von gesellschaftlicher Relevanz ganz zu schweigen. Das ist einfach nur gequirlte Kacke, in der Form, in der Sprache, in der Arroganz, in der Attitüde und beim Inhalt weiß ich gar nicht, wo da die Grenze ist.

Oh Mann! Der geneigte Leser mag mir bitte verzeihen so eindeutig entnervt zu sein, aber ‚Solo für Schneidermann‘ wird zu den wenigen Büchern gehören, die ich nicht zu Ende lesen werde.

P.S.: Ich habe mir zum Trost, vor ein paar Stunden Teju Cole’s ‚Open City‘ geholt und schon Einiges gelesen. Mann! So geht es auch Herr Cohen!!!

2017.03.22. – Lesetagebuch #4 – „Das Schiff“ von Andreas Brandhorst

Der Roman Das Schiff‘, von Andreas Brandhorst, ist in dem Verlag Piper erschienen und spielt mit dem Gedanken, was technisch mit dem Bewusstsein alles so möglich ist, – unabhängig vom Körper. Gleichzeitig wird von Brandhorst ein Spannungsfeld konstruiert, welches im Gegensatz von Sterblichkeit und Unsterblichkeit schwingt.

Sprachlich begeistern mich anfangs solche Begriffe, wie Ratio-Kondensat für die Denkleistung eines MFVs, eine MultiFunktionsVehikels. Das sind Konstrukte, bei denen ich mitkomme und zudem schmunzele, obwohl ich kein Sciencefiction-Fan bin. Bei diesem Buch aber werde ich abgeholt, komme ich mit.

Amüsant auch die Relativität von Zeit, die entsteht, wenn es in einer Welt, auf Grund zufälliger Unterschiede, sterbliche und unsterbliche Menschen gibt. Es entstehen verschiedene Dimensionen von Lebenszeit.

Schön auch die Idee, das einige KI-Maschinen sich so programmieren können, das sie empathisch fasziniert davon sind, dass wir nicht nur die Summe unserer Einzelteile sind. Ein gravierender Unterschied.

Es tauchen plötzlich Fragen auf, wie es wäre, wenn die Maschine die Krönung der Evolution wäre. Ist sie womöglich lernfähig genug zu erkennen, dass wir nur gemeinsam stark sein können, Mensch und Maschine. Ein spannendes Thema und ich verklebe mir mal den Mund/die Tastatur, damit ich am Ende nicht noch spoile…

Letztlich ist es die Liebe, als menschliche Qualität die zum Finale führt.

02.04. Sonntag 

Ich habe endlich mal wieder viel Zeit und mein Plan ist es, dieses tolle Buch zu Ende zu lesen.

Wie schon gesagt, ich bin kein Science Fiction Fan und ich habe meine Schwierigkeiten mit den Bildern aus der Zukunft, aber die Haupt-Ideen des Buches, das Bewusstsein vom Körper trennen zu können und die Auseinandersetzung mit Streblichkeit/ Unsterblichkeit halten mich begeistert bei der Stange.

Die futuristischen Bilder sind so frei wie möglich gehalten, ich kann sie beim Lesen so erdnah wie möglich malen und werde nicht gezwungen, mich in Details zu verlieren.

Schön auch das Thema Sterblichkeit mit dem Ende der Geschichte zu verknüpfen. Das Lesen macht nicht unbedingt fröhlich, aber es fesselt.

Trotzdem lese ich zur Zeir lieber wieder die Zeitung zum Frühstück und nicht ‚mein‘ Buch.

Brandhorst funktioniert für mich tatsächlich eher zum Abend hin. Weiß nicht, warum ich das so schreibe.

Klug gewählt die Figur des Protagonisten Adam und seine Entwicklung. Vielleicht ist dies das fesselnde des Buches für mich. Ich kann mich sehr gut in Adam einfühlen, obwohl ich aus einer fernen Vergangenheit komme.

Ebenso gefällt mir die Feinsinnigkeit, mit der die Überlegenheit der menschlichen Intuition gegenüber aller denkbaren KI gezeichnet wird. Die Geschichte ist spannend konstruiert, trotzdem muss man sich zu keinem Zeitpunkt mit überflüssigen Horrorbilderb kasteien.

Bemerkenswert finde ich, dass sich ab und an das Lesegefühl und die Bilder vermischen mit den 13 1/2 Leben des Kapitän Blaubär, welches ich zur Zeit meinem 8 jährigem Sohn vorlese. Das ist ein Kompliment! Es bedeute, dass ich die Phantasie und Kreativität hinter dem düsteren Schleier der Vision entdecke.

Und dann endet die Geschichte ganz plötzlich mit einer Friedensbotschaft, weit hinausreichend von der Vergangenheit bis hinaus in eine denkbare Zukunft. Ein absolut empfehlenswertes Buch.

2017-02-28 Lesetagebuch #3 – Joshua Cohen – Solo für Schneidermann


28.02. 17:17 … Küchentisch 

Ich habe jetzt ein gutes Viertel dieses wuchtigen Buches aus dem Verlag Schöffling und Co., in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach gelesen.

Ein hoffnungsvoller, junger Autor schreibt ein Buch, wie eine freie, 4-stündige Rede in der vollbesetzten Carnegie Hall, wo alle Anwesenden eigentlich Musik erwarten. Es ist eine Rede auf das Leben des Komponisten Schneidermann, ohne Punkt und Komma, ohne Teile, Kapitel oder Absätze. Ein wagemutiges Unterfangen von Joshua Cohen, zumal er in der Rezension, die mich neugierig gemacht hat, mit Formaten wie z.B. David Faster Wallace verglichen wurde.

Ich habe jetzt ein gutes Viertel des Buches gelesen und komme nicht richtig rein. Das ist schade. ( Ich wollte doch einen Schmöker lesen, als Ergänzung zu Michelle Steinbeck. (Vergl. Lesetagebuch #2 – Michelle Steinbeck))

Warum komme ich nicht rein ? Es ist nicht das Wuchtige und Punktlose des Stils. (Es gibt wirklich unendlich viel Text, in einer sich verzettelnden Sprache. Wie das halt so ist, wenn man frei spricht.) 

Es ist eher so, dass ich die Rede wie ein endloses Gemecker empfinde. Der Protagonist, Redner, Geiger und Freund des Komponisten Schneidermanns kommt mir vor wie ein frustrierter, alter Sack, der alles und jeden mit einer gewissen, verkorksten Übellaunigkeit betrachtet. Diese Übellaunigkeit wirkt dann auf Dauer ansteckend. Unschön. Aber vielleicht passiert ja noch was. Ich werde berichten ;-)).

Seltsamerweise freue ich mich trotzdem auf das Weiterlesen und weis jetzt schon: ‚Ich werde es zu Ende lesen. Nicht aus Trotz, sondern weil ich gespannt darauf bin, eine Meinung abgeben zu dürfen. 

2017-02-20 Lesetagebuch #2 – Michelle Steinbeck – Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

20.02.

Michelle Steinbeck, Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch, Lenos Verlag

Ich hatte eine Rezension über dieses Buch gelesen und war sofort hellhörig geworden. Die Sprache sollte abgefahren sein. Es sollte irgendwie ein Kind-Eltern-Ablöse-Thema geben. (Das interessiert mich aus der Sicht des ‚Alten Herren‘.) Es sollte sich um ein schräges Buch handeln, das polarisiert. Das machte mich neugierig.

Jetzt halte ich es in den Händen und merke ich bin voller Erwartung. Tatsächlich mache ich dem Jüngsten gleich die Glotze an und gebe ihm ein wenig zu schlickern, damit ich in der Raucherecke des Hauses den Anfang des Buches zelebrieren kann. Ich weiß gar nicht, warum ich das ausgerechnet bei diesem Buch so will. Das Cover finde ich schon mal gut. Es erinnert mich an minimale Illustrationen aus den 50’ern. Es erinnert mich an einen Ionesco-Einband aus dem Regal meines Vaters. Aus dem Fischerverlag, glaube ich. 1974.

22:32

Vor Kapitel Vier.

Halleluja. Gewagt. Gewagt. Das ist doch schon sehr persönlich. Ein Traum wird mit Backsteinen gezeichnet, nicht mit leichter Hand. Ein unverblümter, bildhafter malerischer Dali-Dadaismus. In einer Sprache, die so direkt und energiegeladen ist wie Punk.

In seiner spröden, trockenen Poesie erinnert es mich an Nick Caves ‚Und die Eselin sah den Engel‘. Dies ist möglicherweise aber auch nur so, weil ich beide Bücher schon im Vorhinein gut finden wollte.

Gelegentlich hätte ich es allerdings gern auch mal heiter. Die Bilder sind schon sehr abgefahren und eher verwirrend schräg.

21.02.

Ich habe aufgehört hinter dem Text verstehbare Interpretationen finden zu wollen und, siehe da, es entstehen sofort Tausende von Bildern. 

Gewöhne mich an die ständige Verdrießlichkeit der Szenen und finde trotzdem langsam den Humor hinter den Worten.

Kleine Happen. Da ist nichts mit Lesefieber. Immer wieder entstehen eigene Assoziationen, ich schweife ab und folge dem Text ab und an gar nicht mehr. Zurückblättern, Nochmal-lesen, Nachdenken. Es entstehen eigene Konzepte und Ideen. Ich glaube, dass nennt man Inspiration.

Mir macht das Spaß und die Sprache bleibt knackig.

Und wenn ich aufhöre zu lesen bin ich absolut heiß darauf selber zu schreiben.

22.02.

Ich stelle fest, dass Michelle Steinbeck bei mir nur nach Einbruch der Dunkelheit funktioniert, oder am Sonntag morgen. Als ‚Schmöker‘ funktioniert es bei mir nicht so gut. Dafür ist es zu sehr ein Sammelsurium persönlicher, mir fremder Traumszenarien, Doch Dada irgendwie.

Morgens beim Frühstück z.B. lese ich gerne etwas, was mich ein wenig in den Tag trägt. Michelle Steinbeck funktioniert morgens um 6 Uhr definitiv nicht (für mich). Fehlt es mir dagegen nach 16 Uhr an Lust und Motivation für eigene Projekte, ob Haushalt oder Kunst, nutze ich das Buch mittlerweile zur geistvollen Motivation und als Kreativitäts-Motor in Minuten absoluter Lese-Muße.

Dieser jungen Frau scheint nichts Phantastisches phantasievoll genug zu sein. In der Rezension, die ich las, stand etwas von Salvador Dalis Bildern. Ich denke tatsächlich, wer Dalis Bilder mag, mag auch Frau Steinbeck. Mir scheint nur die Attitüde etwas direkter und kraftvoller zu sein. Fehlt halt der Nachkriegsschmerz. Dafür gibt es Bürgerkinds-Schmerz.

Ich glaube, dass nennt man Inspiration.

Um mein ‚Schmökerbedürfnis‘ zwischen den Lese-Muße-Stunden zu überbrücken, habe ich mit Joshua Cohens ‚Solo für Schneidermann‘ angefangen.

Wie es mir damit geht und warum auch das mit Michelle Steinbeck im Duo nicht funktioniert werde ich im Lesetagebuch #3 berichten.

Wie es mir mit Michelle Steinbeck weiter geht, werde ich hier ergänzen.

Hat sonst noch jemand meiner geneigten Leser das Buch gelesen? Meinungen würden mich ehrlich interessieren.

2017-02-17 … Lesetagebuch #1 III – T.C.Boyle – Die Terranauten

Kurz nach Beginn des letzten Viertels habe ich heute kurz gedacht, die Geschichte kann jetzt auch in nem abgefahrenen Drama enden.

Als ein Fan von Herrn Boyle, seit fast 30 Jahren, provoziert er mich irgendwie mit diesem Buch. 

Gerade auch heute an der Stelle, wo ich denke: „Alter Verwalter, es passiert jetzt doch wohl nicht das, was ich denke das passiert.“ ( Wobei ich mich natürlich freue, auf das, was ich denke das passiert!!!) Und tatsächlich falle ich, auf dem Höhepunkt meiner Neugier, genau an der Stelle, nach Dreiviertel des Buches ungefähr 1000 Meter tief in die totale Ernüchterung, weil der Erzähler einfach mal 4 entscheidende Wochen der Geschichte überspringt und scheißendreist, ohne Vorwarnung das Ende der Episode vorwegnimmt. 

Es taucht wieder die Frage auf: ‚Was wird den jetzt wohl am Ende das Hauptthema dieses Buches sein?‘

Ich nehme das natürlich mit einem Augenzwinkern und gelassen hin. Denke: ‚Na, Herr Boyle, ich vertrau dir mal. Es sind nicht mehr ganz viele Seiten, aber es wird doch bestimmt ein cooles Ende geben. Oder?!‘

2017-02-18 … Lesetagebuch #1 – Teil IV. Fazit – T.C.Boyle – Die Terranauten

Nicht wirklich !
Ich bin wohl zu humorlos, um die Satire in der Geschichte wirklich lustig zu finden. Diese soll aber drinstecken, habe ich im Netz gelesen.
Vllt. ist die Realität von einem Big Brother Szenario schon so absurd, das es schwer wird, das satirisch zu bearbeiten.
Ich habe das Buch gern gelesen, weil dieses Serie-als-Heimat-Ding gut funktioniert hat und weil Herr Boyle ein sehr guter Handwerker ist. Ich glaube allerdings, (5 Min. nach dem ‚Zuendelesen‘), dass das Buch keinen Ehrenplatz in meinem Regal bekommt. Da, neben ‚America‘, ‚Wenn das Schlachten vorbei ist‘, ‚Grün ist die Hoffnung‘ und ‚Wilkommen in Wellville‘ vom selben Autor.

Aber das liegt wohl wirklich nur daran, dass ich zu humorlos bin.

2017-02-16 Lesetagebuch #1 II -T.C.Boyle – Terranauten

Jetzt hat mich das Buch gefangen. Ich bin knapp über 3/4 des Buches hinaus und ich mag es wie bei einer guten Serie, immer wieder hineinzukommen, in die Welt des E2, ich mag es die Leute zu treffen.

Ich bin mittlerweile frei von einem, vllt überhöhten Anspruch und kann mich auf das augenscheinliche Hauptproblem der Geschichte einlassen.

Dieses ‚Hauptproblem‘ der Geschichte könnte auch ein Big-Brother-Problem sein, aber hier agierten die Protagonisten dann doch auf einem anderen Niveau. Deshalb mag ich es auch mittlerweile diese zu treffen.

Es geht auch nicht mehr ganz so viel um den schnöden Sex. Das tut dem Buch gut.