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2017-02-28 Lesetagebuch #3 – Joshua Cohen – Solo für Schneidermann


28.02. 17:17 … Küchentisch 

Ich habe jetzt ein gutes Viertel dieses wuchtigen Buches aus dem Verlag Schöffling und Co., in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach gelesen.

Ein hoffnungsvoller, junger Autor schreibt ein Buch, wie eine freie, 4-stündige Rede in der vollbesetzten Carnegie Hall, wo alle Anwesenden eigentlich Musik erwarten. Es ist eine Rede auf das Leben des Komponisten Schneidermann, ohne Punkt und Komma, ohne Teile, Kapitel oder Absätze. Ein wagemutiges Unterfangen von Joshua Cohen, zumal er in der Rezension, die mich neugierig gemacht hat, mit Formaten wie z.B. David Faster Wallace verglichen wurde.

Ich habe jetzt ein gutes Viertel des Buches gelesen und komme nicht richtig rein. Das ist schade. ( Ich wollte doch einen Schmöker lesen, als Ergänzung zu Michelle Steinbeck. (Vergl. Lesetagebuch #2 – Michelle Steinbeck))

Warum komme ich nicht rein ? Es ist nicht das Wuchtige und Punktlose des Stils. (Es gibt wirklich unendlich viel Text, in einer sich verzettelnden Sprache. Wie das halt so ist, wenn man frei spricht.) 

Es ist eher so, dass ich die Rede wie ein endloses Gemecker empfinde. Der Protagonist, Redner, Geiger und Freund des Komponisten Schneidermanns kommt mir vor wie ein frustrierter, alter Sack, der alles und jeden mit einer gewissen, verkorksten Übellaunigkeit betrachtet. Diese Übellaunigkeit wirkt dann auf Dauer ansteckend. Unschön. Aber vielleicht passiert ja noch was. Ich werde berichten ;-)).

Seltsamerweise freue ich mich trotzdem auf das Weiterlesen und weis jetzt schon: ‚Ich werde es zu Ende lesen. Nicht aus Trotz, sondern weil ich gespannt darauf bin, eine Meinung abgeben zu dürfen. 

2017-02-20 Lesetagebuch #2 – Michelle Steinbeck – Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

20.02.

Michelle Steinbeck, Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch, Lenos Verlag

Ich hatte eine Rezension über dieses Buch gelesen und war sofort hellhörig geworden. Die Sprache sollte abgefahren sein. Es sollte irgendwie ein Kind-Eltern-Ablöse-Thema geben. (Das interessiert mich aus der Sicht des ‚Alten Herren‘.) Es sollte sich um ein schräges Buch handeln, das polarisiert. Das machte mich neugierig.

Jetzt halte ich es in den Händen und merke ich bin voller Erwartung. Tatsächlich mache ich dem Jüngsten gleich die Glotze an und gebe ihm ein wenig zu schlickern, damit ich in der Raucherecke des Hauses den Anfang des Buches zelebrieren kann. Ich weiß gar nicht, warum ich das ausgerechnet bei diesem Buch so will. Das Cover finde ich schon mal gut. Es erinnert mich an minimale Illustrationen aus den 50’ern. Es erinnert mich an einen Ionesco-Einband aus dem Regal meines Vaters. Aus dem Fischerverlag, glaube ich. 1974.

22:32

Vor Kapitel Vier.

Halleluja. Gewagt. Gewagt. Das ist doch schon sehr persönlich. Ein Traum wird mit Backsteinen gezeichnet, nicht mit leichter Hand. Ein unverblümter, bildhafter malerischer Dali-Dadaismus. In einer Sprache, die so direkt und energiegeladen ist wie Punk.

In seiner spröden, trockenen Poesie erinnert es mich an Nick Caves ‚Und die Eselin sah den Engel‘. Dies ist möglicherweise aber auch nur so, weil ich beide Bücher schon im Vorhinein gut finden wollte.

Gelegentlich hätte ich es allerdings gern auch mal heiter. Die Bilder sind schon sehr abgefahren und eher verwirrend schräg.

21.02.

Ich habe aufgehört hinter dem Text verstehbare Interpretationen finden zu wollen und, siehe da, es entstehen sofort Tausende von Bildern. 

Gewöhne mich an die ständige Verdrießlichkeit der Szenen und finde trotzdem langsam den Humor hinter den Worten.

Kleine Happen. Da ist nichts mit Lesefieber. Immer wieder entstehen eigene Assoziationen, ich schweife ab und folge dem Text ab und an gar nicht mehr. Zurückblättern, Nochmal-lesen, Nachdenken. Es entstehen eigene Konzepte und Ideen. Ich glaube, dass nennt man Inspiration.

Mir macht das Spaß und die Sprache bleibt knackig.

Und wenn ich aufhöre zu lesen bin ich absolut heiß darauf selber zu schreiben.

22.02.

Ich stelle fest, dass Michelle Steinbeck bei mir nur nach Einbruch der Dunkelheit funktioniert, oder am Sonntag morgen. Als ‚Schmöker‘ funktioniert es bei mir nicht so gut. Dafür ist es zu sehr ein Sammelsurium persönlicher, mir fremder Traumszenarien, Doch Dada irgendwie.

Morgens beim Frühstück z.B. lese ich gerne etwas, was mich ein wenig in den Tag trägt. Michelle Steinbeck funktioniert morgens um 6 Uhr definitiv nicht (für mich). Fehlt es mir dagegen nach 16 Uhr an Lust und Motivation für eigene Projekte, ob Haushalt oder Kunst, nutze ich das Buch mittlerweile zur geistvollen Motivation und als Kreativitäts-Motor in Minuten absoluter Lese-Muße.

Dieser jungen Frau scheint nichts Phantastisches phantasievoll genug zu sein. In der Rezension, die ich las, stand etwas von Salvador Dalis Bildern. Ich denke tatsächlich, wer Dalis Bilder mag, mag auch Frau Steinbeck. Mir scheint nur die Attitüde etwas direkter und kraftvoller zu sein. Fehlt halt der Nachkriegsschmerz. Dafür gibt es Bürgerkinds-Schmerz.

Ich glaube, dass nennt man Inspiration.

Um mein ‚Schmökerbedürfnis‘ zwischen den Lese-Muße-Stunden zu überbrücken, habe ich mit Joshua Cohens ‚Solo für Schneidermann‘ angefangen.

Wie es mir damit geht und warum auch das mit Michelle Steinbeck im Duo nicht funktioniert werde ich im Lesetagebuch #3 berichten.

Wie es mir mit Michelle Steinbeck weiter geht, werde ich hier ergänzen.

Hat sonst noch jemand meiner geneigten Leser das Buch gelesen? Meinungen würden mich ehrlich interessieren.

2017-02-17 … Lesetagebuch #1 III – T.C.Boyle – Die Terranauten

Kurz nach Beginn des letzten Viertels habe ich heute kurz gedacht, die Geschichte kann jetzt auch in nem abgefahrenen Drama enden.

Als ein Fan von Herrn Boyle, seit fast 30 Jahren, provoziert er mich irgendwie mit diesem Buch. 

Gerade auch heute an der Stelle, wo ich denke: „Alter Verwalter, es passiert jetzt doch wohl nicht das, was ich denke das passiert.“ ( Wobei ich mich natürlich freue, auf das, was ich denke das passiert!!!) Und tatsächlich falle ich, auf dem Höhepunkt meiner Neugier, genau an der Stelle, nach Dreiviertel des Buches ungefähr 1000 Meter tief in die totale Ernüchterung, weil der Erzähler einfach mal 4 entscheidende Wochen der Geschichte überspringt und scheißendreist, ohne Vorwarnung das Ende der Episode vorwegnimmt. 

Es taucht wieder die Frage auf: ‚Was wird den jetzt wohl am Ende das Hauptthema dieses Buches sein?‘

Ich nehme das natürlich mit einem Augenzwinkern und gelassen hin. Denke: ‚Na, Herr Boyle, ich vertrau dir mal. Es sind nicht mehr ganz viele Seiten, aber es wird doch bestimmt ein cooles Ende geben. Oder?!‘

2017-02-18 … Lesetagebuch #1 – Teil IV. Fazit – T.C.Boyle – Die Terranauten

Nicht wirklich !
Ich bin wohl zu humorlos, um die Satire in der Geschichte wirklich lustig zu finden. Diese soll aber drinstecken, habe ich im Netz gelesen.
Vllt. ist die Realität von einem Big Brother Szenario schon so absurd, das es schwer wird, das satirisch zu bearbeiten.
Ich habe das Buch gern gelesen, weil dieses Serie-als-Heimat-Ding gut funktioniert hat und weil Herr Boyle ein sehr guter Handwerker ist. Ich glaube allerdings, (5 Min. nach dem ‚Zuendelesen‘), dass das Buch keinen Ehrenplatz in meinem Regal bekommt. Da, neben ‚America‘, ‚Wenn das Schlachten vorbei ist‘, ‚Grün ist die Hoffnung‘ und ‚Wilkommen in Wellville‘ vom selben Autor.

Aber das liegt wohl wirklich nur daran, dass ich zu humorlos bin.

2017-02-16 Lesetagebuch #1 II -T.C.Boyle – Terranauten

Jetzt hat mich das Buch gefangen. Ich bin knapp über 3/4 des Buches hinaus und ich mag es wie bei einer guten Serie, immer wieder hineinzukommen, in die Welt des E2, ich mag es die Leute zu treffen.

Ich bin mittlerweile frei von einem, vllt überhöhten Anspruch und kann mich auf das augenscheinliche Hauptproblem der Geschichte einlassen.

Dieses ‚Hauptproblem‘ der Geschichte könnte auch ein Big-Brother-Problem sein, aber hier agierten die Protagonisten dann doch auf einem anderen Niveau. Deshalb mag ich es auch mittlerweile diese zu treffen.

Es geht auch nicht mehr ganz so viel um den schnöden Sex. Das tut dem Buch gut. 

2017-02-12 Lesetagebuch #1 – T.C.Boyle, Die Terranauten

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. T.C.Boyle, Terranauten Hanser-Literaturverlage.

Acht Menschen, vier Frauen und vier Männer lassen sich irgendwann in den 90’ern darauf ein, sich zwei Jahre in eine Ökosphäre aus Glas und Stahl einschließen zu lassen. Eine Fundgrube für menschliche Fallstricke und ökologische Erkenntnisse … habe ich gedacht, gerade für den alten Ganoven T.C. Die ganze Geschichte fußt wohl auf einer wahren Begebenheit. Mit großen Erwartungen begann ich also vor einer Woche dieses Buch zu lesen.

Jetzt habe ich die Hälfte gelesen und habe immer noch das Gefühl, als hielte ich eine leicht gehobenere, literarische Form von Big-Brother in der Hand.

Natürlich, die Protagonisten habe alle Hände voll zu tun und es handelt sich ja schließlich auch um ein wissenschaftliches Experiment, aber die Handlung treibt, wie gesagt auf Big Brother Ebene dahin. Vielleicht bin ich aber auch zu doof eine gewisse literarische oder gesellschaftliche Tiefe zu entdecken. (Die fordert T.C. Boyle ja zumeist gern heraus.)

Die Sprache, in der Boyle schreibt macht mir wiederum Spaß, dass muss ich zugeben, aber die Figuren machen bislang wenig leidenschaftliche Lust auf das Buch. Ich fühle mich nicht wirklich inspiriert, egal auf welcher Ebene.

( Ich habe schon zwei Abende im Bett ein Deutschlandfunk-Dossier gehört, anstatt mich auf ‚mein Buch‘ zu freuen.)

Die handwerkliche Ausgestaltung, die klare Sprache, sowie die Art, wie Boyle zwischen den Perspektiven der einzelnen Protagonisten wechselt hält mich aber letztlich bei der Stange und lässt mich weiter neugierig auf eine ‚große Wende‘ in der Geschichte hoffen. 

Draußen liegt noch ein wenig Schnee und der Februar zeigt sich kalt. Von daher schön, gleich wieder in die immer wiederkehrende Beschreibung von feuchter Hitze zu tauchen.

Wie geht es euch mit dem Buch? Bin ich zu doof für Boyle ?

13.02.
Was ist das für ne Grütze! Kurz vor der Mitte des Buches lese ich mich mit einem Spliff und einem Gläschen Rotwein ein und komme tatsächlich an eine Stelle, an der ich denk: „hmmm, das ist ein bisschen besser, als Big Brother.“ Gleich darauf haut Herr Boyle mir literarisch voll in die Fresse und wird trivialer als im ganzen Buch zuvor. Worauf will der denn hinaus? Diese Frage ist es die mich doch neugierig weiter lesen lässt. Aber … Sex & Sexualität & Lust & Sex & Eifersucht & Sex & Drogen. Das kann doch nicht lange so weiter gehen. Dabei ist die Spielerei mit dem Sex noch nicht einmal witzig, neu oder irgendetwas. 

14.02.

Endlich, kurz nach der Hälfte taucht ein halbwegs interessantes Problem im Container auf. Beharrlich bleibt Boyle in dem Big-Brother-Mood und ich denke er will mir, dem Leser damit etwas sagen. Das will er ja immer und das macht er zumeist ja auch ziemlich gut.

Sie merken er hat mich!

Weil das Problem (kurz nach der Mitte) nicht absolut uninteressant ist, bin ich plötzlich bereit mich wirklich einzulassen. Aber ich finde weit und breit kein über den Horizont des Buches und des Containers hinausreichendes Thema. Das ist Schade, mir heute aber auch egal. Tatsächlich freue ich mich auf das weiterlesen, hoffe aber wirklich auf eine Schippe mehr Energie in der Geschichte.

P.S.: Heute Nachmittag fuhr ich, während eines langen Arbeitstages, eine enge Straße in der Innenstadt entlang und war plötzlich kurz in der tropischen, schwülen 90’er Jahre Atmosphäre des Buches. „Das ist auch Kunst!“, dachte ich und war für einen kurzen Moment raus aus dem Alltag. Schön das.

Lust.Ration.XXIII. – Pädagogen.Zeit.Geist.Lust.Ration.

Lust.Ration.XXIII. ….

Lust.Ration

Es begab sich vor einiger Zeit, dass ich einen sogenannten UMA (Unbegleiteten, minderjährigen Asybewerber) kennenlernte, der, urpüringlich aus Afgahinistan, über Persien nach Deutschland gekommen ist.

Der junge Mann hatte ein wenig Streß mit seiner Impulskontrolle und in dem Zusammenhang, lernte ich ihn kennen.

Dieser junge Mann, 17 Jahre alt, erzählte mir folgende, unter vielen spannenden Geschichten:

Nennen wir den jungen Mann mal Nika. Nika hat mit 15 schon, mit seinen 3 Brüdern, für den lungenkranken Vater auf dem Basar in Theheran gearbeitet. Da in der iranischen Politik, das Thema ‚Willkommenskultur‘ kein Thema ist, kann es afghanischen Flüchtlingen passsiern, dass sie direkt auf dem Basar von der Polizei einkassiert und direkt deportiert werden. Das ist Nikas Bruder passiert und das ist eigentlich eine andere, der spannenden Geschichten.

Ich will eine Geschichte erzählen, die ich interessant im Umgang mit Konflikten finde.

Nika hatte in Teheran ein Motorrad. Kein Moped, ein Motorrad. Wir…

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Lust.Ration XII

Lust.Ration. XXII. Einstürzende.Lust.Ration ( der ‚Neubauten‘ ) – Lust.Ration

https://tatworte.wordpress.com/2017/01/23/lust-ration-xxii-einstuerzende-lust-ration-der-neubauten/

Lust.Ration.VI. – Dorf.Flucht ins Museum

https://tatworte.wordpress.com/2016/11/14/lust-ration-xvi-dorf-flucht-ins-museum/

Lust.Ration. IX – Datenbank der Liebe

„Willkommen meine Damen und Herren! Treten Sie näher, treten Sie ein.“, das kleine, wie ein bunter Clown gekleidete Männchen, das da vor dem Eingang zum Zirkuszelt heftig mit den Armen …

Quelle: Lust.Ration. IX – Datenbank der Liebe

Lust.Ration 7 – Geld.Sucht.Lust.Ration.

Gerade eben war es. Gerade eben, an der Supermarktkasse, als ich wieder mal viel mehr bezahlen mußte, als ich vorher gedacht hatte. Gerade eben kam mir die lange verdrängte, tief vergrabene, verstö…

Quelle: Lust.Ration 7 – Geld.Sucht.Lust.Ration.